Thema 4. "Kreuzweg der Önsbacher Kirche"

Kreuzweg der Önsbacher Kirche

Die Geschichte der Kreuzwege

Seinen historischen Ursprung hat der Kreuzweg im Heiligen Land. Bereits in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten pilgerten Menschen ins Heilige Land, um dort an den originalen Stätten zu sehen und nachzuspüren, wo Jesus gelitten hat und gestorben ist: Man ging vom Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus bis zur Stätte der Kreuzigung, auf dem Berg Golgota. Im Laufe der Zeit wollten immer mehr Christen diese Wallfahrt unternehmen und erzählten bei ihrer Rückkehr von den eindrucksvollen Erfahrungen.
 
Hierauf begannen dann einige ehemalige Pilger ab dem 14. Jhrh., zuhause in der Heimat das Leiden Jesu nachzubilden. Allmählich begann man zwischen den 14 Stationen, religiöse Prozessionen in Erinnerung an den Kreuzweg Jesu zu veranstalten. Diese Kreuzwegstationen errichtete man auch innerhalb von Kirchen und Kapellen.  
 
So ist der Kreuzweg gerade in der Fastenzeit und während der Karwoche vor Ostern eine weit verbreitete Andachtsform, bei der Christen Jesus im Leid nahe sein wollen. Gerade im Blick auf das Leiden Jesu können Christen erfahren, dass sie im persönlich erfahrenen Leid nicht alleine sind. In Jesus haben wir einen Gott an unserer Seite, der mit uns mitleidet und mit uns durch unser Leid geht.
 
 
Die Geschichte des alten Önsbacher Kreuzwegs von 1872
Die 14 Bilder des früheren Kreuzweges befanden sich von 1872 bis 1957 in der Önsbacher Kirche. Laut Pfarrer Bernhard Weber wurde dieser gestiftete Kreuzweg 1872 nach einer Innenrenovierung der Kirche geweiht. (B. Weber: Geschichte der Pfarrkirche St. Josef – S. 26)
 
Der unbekannte Künstler gestaltete diesen ersten Önsbacher Kreuzweg im Nazarener Stil. Die „Nazarener“ Künstler wollten die traditionelle klassische Kunst (Renaissance) erneuern und gleichzeitig wandten sie sich einer mehr mittelalterlichen Form zu. Mit besonderen Farben, mit der Lichtführung auf die zentralen Personen, klaren Konturen wollten sie die religiösen Geheimnisse noch schöner und deutlicher hervortreten lassen. Wichtig war ihnen dabei, dass mit ihrer Malerei Gefühle und Stimmungen sichtbar werden.
 
 
 
Geschichte des aktuellen Önsbacher Kreuzweg von 1955
Der aktuelle Kreuzweg wurde nach einer im Winter 1955/56 erfolgten Innenrenovation im Jahre 1957 angebracht. Er wurde von Anton Cappius aus Starnberg geschnitzt. Im Gegensatz zum früheren Kreuzweg sind die einzelnen Szenen ruhiger und einfacher gehalten, ganz im Zeichen einer neuen Schlichtheit, die in den 60iger und 70iger Jahren in die Kirchen einzog. Der leidende Jesus wirkt hier menschlicher, nicht so abgehoben und steht hier den Menschen viel näher als in der Fassung von 1872.